Oldtimerpassion

Lancia Delta HF Integrale EVO II – Giallo Ginestra

Manche Fahrzeuge wecken eine Begeisterung, die über viele Jahre anhält – auch wenn man sie zwischenzeitlich fast aus den Augen verliert. Der Lancia Delta HF Integrale gehört für mich genau in diese Kategorie. Seine Rallye-Gene, der Turbomotor und der permanente Allradantrieb machten ihn schon damals zu einer faszinierenden Fahrmaschine. Als das Auto auf den Markt kam, konnte ich mir es nicht leisten und es dauerte eine ganze Weile bis es soweit war.

Heute steht ein Delta HF Integrale EVO II in der Sonderfarbe Giallo Ginestra in meiner Garage. Damit ist aus einer frühen Faszination ein ganz persönliches Oldtimer-Projekt geworden – mit einer bewegten Geschichte und dem klaren Ziel, das Auto zu fahren und zu genießen.

Wie alles begann – eine Faszination auf Umwegen

Als der Delta HF Integrale auf den Markt kam, hat mich dieses Fahrzeug sofort interessiert. Die Erfolge im Rallyesport, die für damalige Verhältnisse beeindruckenden Leistungs- und Beschleunigungswerte und vor allem der Allradantrieb versprachen eine außergewöhnliche Kombination. Ein Auto, das nicht nur schnell sein, sondern seine Leistung auch auf die Straße bringen wollte. Damals konnte ich mir einen solchen Lancia allerdings nicht leisten.

Einige Jahre später war der Delta zunächst aus meinem Blickfeld verschwunden. Während meiner Promotion ergab sich dann über einen Bekannten die Gelegenheit, in einem Delta 16V mitzufahren. Die Begeisterung war sofort wieder da. Das Einlenkverhalten, die Fahrdynamik und die Art, wie der Allradantrieb das Fahrzeug auf der Straße hielt, waren einfach herrlich.

Das Besondere war für mich dieses unmittelbare, sehr dynamische Fahrgefühl. Der Delta vermittelt am Steuer eine Dynamik, die über das hinausgeht, was man allein aus den nüchternen Leistungsdaten erwarten würde. Genau diese Mischung hat mich wieder gepackt. Von da an habe ich immer wieder nach einem Integrale Ausschau gehalten. Eines war dabei klar: Wenn, dann sollte es ein EVO-Modell sein. Kompromisse wollte ich an dieser Stelle keine machen.

Endlich der eigene Integrale – Giallo Ginestra

Es hat lange gedauert, bis sich die passende Gelegenheit ergeben hat. Heute darf ich einen Lancia Delta HF Integrale EVO II in Giallo Ginestra mein Eigen nennen. Von diesem Sondermodell wurden lediglich 220 Exemplare gebaut. Die Farbe ist alles andere als zurückhaltend – und genau das macht einen Teil seines Reizes aus.

Ich hatte durchaus auch nach einem Ferrari 328 GTB geschaut. Am Ende fiel die Entscheidung aber bewusst zugunsten des Lancia. Er ist für mich die etwas unaufgeregtere, weniger offensichtliche Wahl – ein Stück Understatement mit einer großen Motorsportgeschichte im Hintergrund. Wobei man bei Giallo Ginestra natürlich nicht von Unauffälligkeit sprechen kann.

Ein Oldtimer mit bewegter Geschichte

Mein Fahrzeug wurde 1993 in Italien gebaut und 1994 zunächst in Italien ausgeliefert. Von dort ging es direkt zum ersten Besitzer nach Deutschland. Später führte der Weg nach England, bevor der Lancia wieder nach Deutschland zurückkehrte. Über einige Umwege kam er schließlich in meine Hände.

Ein Fahrzeug mit einer solchen Vergangenheit bringt natürlich auch Spuren und Veränderungen aus seinem bisherigen Leben mit. Bei meinem Delta wurden im Laufe der Jahre verschiedene Anpassungen vorgenommen. Dazu gehört auch die Klimaanlage: Sie war beim EVO II serienmäßig, wurde aber von einem Vorbesitzer ausgebaut. Um den ursprünglichen Ausstattungszustand wiederherzustellen, habe ich sie mit Originalteilen wieder zusammensetzen und ins Fahrzeug zurückbauen lassen. Ihre Kühlleistung erreicht allerdings eher Placebo-Niveau. Auch an anderer Stelle gibt es noch Details, die ich mir nach und nach vornehme.

Schrauben, verbessern und fahren

Oldtimer bedeutet auch beim Lancia: schrauben – und manchmal schrauben lassen. Die technischen Arbeiten überlasse ich derzeit noch überwiegend einer Fachwerkstatt. Das heißt aber nicht, dass ich alles aus der Hand gebe. Einige Dinge mache ich gerne selbst, gerade wenn es um überschaubare Arbeiten und Verbesserungen geht.

So habe ich bereits den Sitz instand gesetzt, ein neues Radio eingebaut und die vorderen Scheinwerfer erneuert. Dazu kommen viele kleinere Arbeiten und Anpassungen, mit denen ich das Fahrzeug Schritt für Schritt in den Zustand bringen möchte, den ich mir vorstelle. Auch der Motorraum und die wiederhergestellte Klimaanlage gehören zu den Bereichen, mit denen ich mich weiter beschäftigen werde.

Und natürlich gibt es bei einem italienischen Klassiker noch einen weiteren Gegner: den Rost. Die Wege und Stationen, die eine Karosserie in der italienischen Fertigung und Logistik nehmen kann, machen das Thema nicht gerade einfacher. Rost lässt sich bei einem solchen Fahrzeug nicht immer vermeiden – und damit kommen wir wieder zu einer meiner ausgesprochenen Lieblingsbeschäftigungen. (Das war Ironie.) Karosseriearbeiten gehören bekanntlich nicht zu meinen Favoriten.

Bei aller Freude an der Technik soll das Schrauben aber kein Selbstzweck werden. Das Ziel ist und bleibt, den Delta zu bewegen. Er soll nicht nur in der Garage stehen und gut aussehen, sondern auf der Straße das tun, wofür er gebaut wurde.

Ein Auto, das Begeisterung weckt

Der Lancia begeistert nicht nur mich. Ich habe mit diesem Fahrzeug noch nie so viele Daumen hoch bekommen wie mit dem gelben Integrale. Es ist schön zu erleben, wie sehr sich auch andere Menschen freuen, einen solchen Wagen auf der Straße zu sehen. Die Delta Integrale sind heute selten geworden – und ihre Rallye-Geschichte ist vielen noch immer präsent.

Für mich ist das eine besondere Seite des Oldtimer-Hobbys: Man fährt nicht nur sein eigenes Lieblingsauto, sondern teilt für einen Moment die Begeisterung mit anderen. Der Delta ist eben nicht irgendein Klassiker. Er ist eine Legende mit Rallye-Genen – und ich freue mich jedes Mal, wenn ich ihn fahren kann.

Mein Fahrzeug

  • Modell: Lancia Delta HF Integrale EVO II
  • Sondermodell: Giallo Ginestra – 220 Exemplare
  • Baujahr: 1993
  • Erstauslieferung: 1994
  • Motor: 2,0-Liter-Turbomotor
  • Antrieb: Permanenter Allradantrieb

Technik und Fahrwerk

Der EVO II ist die letzte Evolutionsstufe des Delta Integrale. Sein aufgeladener 16-Ventil-Motor, die elektronische Motorsteuerung und der permanente Allradantrieb verbinden Rallye-Technik mit erstaunlichen Fahrleistungen für einen Serienwagen der frühen 1990er-Jahre.

  • Motor: Vierzylinder-Reihenmotor, 16 Ventile, Turboaufladung mit Ladeluftkühlung
  • Hubraum: 1.995 cm³
  • Leistung: 215 PS (158 kW) bei 5.750 U/min
  • Maximales Drehmoment: rund 308 Nm bei 2.500 U/min
  • Einspritzung/Motorsteuerung: elektronische Weber-Marelli IAW, sequenzielle Mehrpunkteinspritzung mit integrierter Zündsteuerung
  • Getriebe: 5-Gang-Schaltgetriebe
  • Antrieb: Permanenter Allradantrieb mit zentraler Visco-Kupplung und Torsen-Hinterachsdifferenzial
  • Fahrwerk: KW-Fahrwerk
  • Beschleunigung 0–100 km/h: ca. 5,7 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: ca. 220 km/h

Die Werksangaben nennen rund 5,7 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h und 220 km/h Höchstgeschwindigkeit. Das Fahrgefühl wirkt dabei noch einmal dynamischer, als es diese Zahlen vermuten lassen – nicht zuletzt durch das präzise Einlenken und den Allradantrieb.

Einblicke in meinen Lancia